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Warum die unreflektierte Nutzung von FaceApp ein Problem ist

Aktuell fluten massenweise gealterte Profilfotos den Facebook Newsfeed. Die Foto-Morph-App “FaceApp” gibt es ja bereits seit 2016, nun wurde sie noch mal kräftig aufgebohrt. Zugegebenermaßen recht imposant, was die FaceApp KI in Sachen Gesichtserkennung da leistet. Aber was steckt eigentlich hinter der App, und warum könnte die arglose Nutzung für Euch zum Problem werden?

Wie funktioniert FaceApp?

Zunächst mal ist es wichtig zu verstehen, was beim Upload eines Fotos in FaceApp und ähnliche Services passiert: Die App selbst macht nämlich in der Regel nicht viel, außer dass sie Euer Foto an einen Server irgendwo auf der Welt sendet. Dort wird mit der entsprechenden Rechenpower eine künstliche Intelligenz betrieben, die in der Lage ist, Gesichter in Fotos zu erkennen und beispielsweise künstlich altern zu lassen. Die Server werden betrieben oder gemietet vom jeweiligen Anbieter der App, der somit auch Zugriff auf alle Fotos hat, die der Nutzer über sie hochläd.

Thema Datenschutz

Was uns zum Thema Datenschutz führt: Die Plattform Mashable hat aktuell sich mal die Mühe gemacht und in die Datenschutzbestimmungen der App geschaut. Benutzt man die App, tritt der Nutzer nicht nur die Rechte am eigenen Bild an die in Russland ansässige Firma Wireless Lab OOO ab. Weiterhin räumt diese sich sogar das Recht ein, die Fotos zu speichern, weiter zu bearbeiten oder sogar zu veröffentlichen. Außerdem trackt die App relativ intensiv das Nutzungsverhalten seiner Nutzer. Etwa besuchte Webseiten, Standortdaten und installierte Addons.

Wem überlasse ich meine Daten?

Unzählige Twitternutzer analysieren gerade kollektiv, was die Mobile App mit den Daten der Nutzer noch so alles anstellt. Auch wenn sich beispielsweise das Gerücht nicht bestätigt hat, dass sie App ungefragt einfach mal alle Fotos aus der Smartphone-Galerie hochläd. Das vom Nutzer hochgeladene Originalfoto wird irgendwo auf der Welt auf dem Server hinterlegt. Hier kann man sich natürlich fragen, ob es nun einen Unterschied macht, ob man einem Mark Zuckerberg von Facebook oder wie in diesem Fall einem gewissen Yaroslav Goncahrov von FaceApp mit Daten füttert. Persönlich sehe ich im Falle eines Missbrauchs der Daten eher Chancen, dass Jemand einem bekannten Milliardenunternehmen wie Facebook auf die Finger klopft, als einem eher unbekannten Entwicklerstudio in Russland.

Nutzer trainieren eine fremde KI

Entscheidender finde ich jedoch, was mit der künstlichen Intelligenz passiert, die da mittels Millionen von Userfotos im Erkennen von Gesichtern trainiert wird. In der Vergangenheit gab es da ja bereits einige Negativbeispiele: Die App Ever beispielsweise begann 2013 als Foto-App um Erinnerungen zu speichern. Sie bietet neuerdings seine KI zur Gesichtserkennung den US Ermittlungsbehören an. IBM wird gar beschuldigt, seine KI mit Millionen Fotos aus der Fotocloud Flickr trainiert zu haben – ohne dem Einverständnis der Nutzer. Die App Twinning wurde bekannt mit dem Angebot, den eigenen, prominenten Zwilling zu finden. Die Macher sicherten die hochgeladenen Userfotos nicht ordentlich ab. Unzählige Nutzer Selfies waren deshalb auf dem Amazon Web Service quasi ungeschützt einsehbar.

Fazit: Vorsicht bei der Weitergabe von biometrischen Daten

Was fängt man nun mit diesem Wissen an, Internet abschalten weil böse? Ist es gar ein weiterer Beweis dafür, dass künstliche Intelligenz etwas durchweg böses ist? Ich denke es reicht, wenn wir uns der Tatsache bewusst werden, dass unsere biometrischen Daten in sehr naher Zukunft überaus wichtig für uns werden. Wenn nämlich unsere physiologischen Charakteristikas wie Fingerabdruck, Gesichtsform, Muster der Iris etc. im Alltag eine Rolle spielen. Beispielsweise durch Türen und Einlasskontrollen mit Gesichtserkennung, bei Bezahlvorgängen mittels Iris-Scan und generell überall dort, wo wir unsere Identität nachweisen.

Deshalb sollten wir uns schon heute sehr genau hin schauen, welchen Plattformen wir diese in Zukunft überaus wertvollen Daten überlassen. Vor allem bei vermeintlichen Internet Hypes wie derzeit der FaceApp.

 

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